Die Geschichte des Geldes

In unserer modernen Welt ist Geld ein alltägliches Gebrauchsgut geworden. Wir verwenden es beinahe jeden Tag. Es dient als Statussymbol, Zeichen der Anerkennung aber auch als Mittel zum Selbstzweck. Manche lassen es sogar für sich arbeiten. Aber neben dieser Durchdringung unseres Alltags ignorieren wir beständig eine Frage:

Was ist eigentlich Geld?

Um diese Frage zu beantworten möchte ich zuerst ein wenig ausholen zurück zur Zeit als es noch kein Geld gab. Damals wurde am Markt Ware gegen Ware getauscht. Man hat also wortwörtlich Äpfel mit Birnen verglichen. Das geht solange gut, wie jeder täglich etwas zu tauschen hat und etwas braucht oder man die Tauschgüter einfach und dauerhaft lagern kann, was vor allem bei Essen ein Problem darstellt. Es wurde also nicht nur Essen gegen Essen getauscht, sondern auch gegen andere Gegenstände. Wichtig war immer nur dass sich die beiden Tauschpartner einig waren dass sie vom anderen einen mindestens genauso wertvollen Einsatz erhielten, wie sie anboten.

So änderte sich auch der “Wert” zB einer Kartoffel womöglich sehr schnell: von 1 Apfel zu 2 Eiern zu 1 Semmel zu 1 großen Ei zu 2 kleinen Äpfeln zu einem schönen Stück Holz zu einer Glasmurmel etc. Gleichzeitig musste man auch immer etwas anbieten das der andere auch haben wollte sonst kam kein Geschäft zustande. Dieses ständige “Umrechnen” zwischen den verschiedenen Waren wurde mit der Zeit zu mühselig und man suchte nach einer Möglichkeit Waren allgemeiner zu vergleichen. Und fand Edelmetalle. Edelmetalle wie Silber oder Gold sind einfach und defakto unbegrenzt lagerbar. Gleichzeitig sind sie so selten, dass bereits eine kleine Menge Gold gleichwertig zu einer ungleich höheren Menge alltäglicher Waren gesehen wurde. Um das ganze noch zu vereinfachen wurden die Metalle in Münzen einheitlicher Größe gebracht, denn wer hatte damals schon ständig eine Goldwaage bei sich.

Mit diesen Münzen war “Geld” geboren. Es diente dazu Waren des täglichen (und nicht so alltäglichen) Gebrauchs im Wert zu vergleichen und zu tauschen. Nun konnte jeder sehr einfach seine Waren gegen Münzen eintauschen und die erhaltenen Münzen wieder gegen komplett andere Waren zurücktauschen. Die Münzen dienten also hauptsächlich dem Zweck den Fluss an regem Warenaustausch zu ermöglichen. Sie fließen von dort wo es wenig Waren gibt, dorthin wo es gerade viele Waren gibt.

Was unterscheidet die ursprünglichen Goldmünzen von unserem Geld?

Im Gegensatz zum 10 € Schein von heute hatten die Münzen damals einen realen Wert. Der Wert entstand nicht weil eine bestimmte Zahl auf der Münze stand, sondern weil der Empfänger davon ausging dass diese Münze eine gewisse Menge Gold beinhaltet. Hätte er die Münze eingeschmolzen und mit einer anderen Zahl versehen, wäre sie immer noch gleichviel Wert gewesen. Somit war der “Wechselkurs” auch sehr einfach: Es ging rein um die Menge des Edelmetalls.

Seit damals hat sich viel verändert. Den Händlern wurde es mit der Zeit zu mühsam die vielen Münzen mit sich herumzuschleppen und Reisende waren immer der Gefahr ausgesetzt überfallen zu werden und dann mit leeren Taschen am Bestimmungsort anzukommen. Doch auch dafür fand man eine Lösung. Schon damals gab es “international” agierende Händler. Große Familie die in vielen Städten ihre Häuser und Geschäfte hatten. Diese Familien transportieren ihr Geld (wenn nötig) gut bewacht von einem Ort zum anderen und hatten aufgrund ihrer Geschäfte auch immer einiges an Münzen in jeder Stadt vorrätig.

Die Idee des Reiseschecks wurde geboren

Nehmen wir an ich bin in Rom und möchte nach Venedig reisen, aber es ist mir zu riskant mein Gold selbst mitzuführen. Ich wende mich also in Rom an eine große Händlerfamilie mit folgendem Angebot: “Ich gebe euch hier 50 Goldtaler, dafür bekomme ich von euch ein Dokument, einen Pfandbrief, für das ich bei eurem Geschäft in Venedig die 50 Taler zurück bekomme. Für diesen Service bekommt ihr von mir 1 Taler extra als Gebühr”. Es war eine Win-Win Situation. Der Händler hatte einen kleinen Zuverdienst durch die Gebühren und der Reisende musste nur ein Stück Papier sicher verwahren und keine schweren Münzen.

Diesen Pfandbriefen wurde mit der Zeit sosehr vertraut, dass die Menschen sich nicht mehr die Mühe machten selbst zum Händler zu gehen und die Münzen einzutauschen, sondern lediglich die Pfandbriefe untereinander tauschten, als wären es die Münzen selbst. Das Papiergeld war geboren.

Das System basiert auf Vertrauen

Hier kam auch zum ersten Mal ein Faktor zu Einsatz der bis heute ein Grundpfeiler des Geldsystems geblieben ist: Das Vertrauen in die Währung.

Die Menschen nahmen Pfandbriefe als Zahlungsmittel nur solange an, solange sie 100% darauf vertrauten, für diesen Pfandbrief auch die Münzen beim jeweiligen Händler zu erhalten. Mit der Zeit wurde es auch immer unwichtiger ob man für den Pfandbrief auch wirklich Goldmünzen erhalten würde. Solange man im täglichen Gebrauch mit dem Stück Papier zahlen konnte, lief das System reibungsfrei vor sich hin.

Kredite und Habenszins

Kredite waren schon immer ein einträgliches Geschäft für jene die Geld im Überfluss hatten. Sie verliehen einen Teil ihrer Münzen um ihn nach gewisser Zeit mit Zinsen zurückzuerhalten. Nun hatten die Handelshäuser aber nicht nur ihre eigenen Münzen im Tresor, sondern auch die ihrer Kunden, denen sie Pfandbriefe ausgestellt haben. Da die meisten Scheine gar nicht oder sehr viel später eingelöst wurden, lagen diese Münzen ungenützt im Tresor. Also begannen die Handelshäuser auch einen Teil dieser Münzen zu verleihen. Solange weiterhin nicht alle ihre Münzen gleichzeitig haben wollten und die Schuldner sie wieder zurückbrachten, bedeutet es lediglich erhöhte Zinseinnahmen für das Handelshaus. Je mehr Münzen von Kunden in den Tresor kamen, umso mehr Zinsen konnte das Handelshaus einnehmen.

Es begann ein regelrechter Wettstreit zwischen den Handelshäusern. Jedes wollte die Münzen der Menschen im Tresor lagern, damit es sie dann als Kredite wieder verleihen konnte. Also begannen sie, den Kunden auch einen kleinen Teil zu bezahlen, wenn diese ihre Münzen bei Ihnen im Tresor lagerten. Der heutige Habenszins war geboren.

Von der Verleihung zur Erschaffung von Geld

Aufgrund des Vertrauens in das inzwischen etablierte Papiergeld wurden Kredite großteils nicht mehr als reale Münzen erteilt sondern direkt als Papiergeld. Die Münzen blieben also weiterhin im Tresor, es wurde aber eine Münze immer nur an einen Kunden verliehen, bzw. eben der Anspruch auf die Münze in Form von Papiergeld. Doch die Münzen lagen weiterhin ungenutzt im Tresor und die Handelshäuser entschieden sich die Münzen einfach mehrfach zu verleihen. Man kann zwar nicht eine Münze zweimal verleihen, aber man kann mehreren Menschen einen Zettel in die Hand drücken der ihnen Anspruch auf diese Münze gibt. Solange sie nicht gleichzeitig zurückkommen und die Münze haben wollen, gibt es erneut kein Problem. Und in der Praxis wollte niemand je die Münzen selbst haben. Es wurde Papiergeld getauscht mit dem Vertrauen das man jederzeit die realen Münzen dafür eintauschen könnte. Ohne dass es jemand auch wirklich tat. Hätten plötzlich alle Menschen ihr Papiergeld genommen und die entsprechenden Münzen bei den Handelshäusern eingefordert, hätte man schnell gemerkt dass nicht genug Münzen für alle Scheine vorhanden waren.

Es wurde also durch das Ausgeben von Krediten Geld erschaffen, dessen Gegenwert zuvor nicht existierte: Die Anfänge von Giralgeld.

“Echte” Währungen aber das gleiche Prinzip

Aufgrund der Popularität des Papiergelds wurde dieses vereinheitlicht und zum Staatsmonopol erklärt. Jeder Staat hat eine Nationalbank die als einzige berechtigt ist, Geldscheine und Münzen zu drucken. Die Prinzipien dahinter hatten sich aber lange Zeit nicht geändert.

Der sogenannte “Goldstandard”, der für die meisten Währungen bis nach dem 1. Weltkrieg galt, bedeutet dass die Währung jederzeit bei der Nationalbank gegen Gold eingetauscht werden kann. Am US-Dollar war dieses Versprechen sogar lange Zeit abgedruckt.

Doch 1933 machte die FED (die US-Notenbank) eine Inventur der Goldreserven in Ford Knox und entschied kurzerhand den Goldstandard aufzulösen. Von einen Tag auf den anderen war der Dollar plötzlich nur mehr eine buntes Stück Papier ohne realen Wert. Doch aufgrund des Vertrauens der Bevölkerung, das sie mit ihrem Dollar weiterhin einkaufen und Waren eintauschen konnten, hatte das keinerlei Auswirkung auf die Wirtschaft.

Aus der Geschichte lernen

Wir zahlen also inzwischen nicht mehr mit schweren Goldmünzen, sondern mit Papier und Plastikgeld ohne realem Wert. Und obwohl das System rein auf Vertrauen basiert ist es ein stabiler Grundpfeiler unserer Gesellschaft geworden.

Geld in seiner heutigen Form ist also ein rein abstraktes Instrument für die Bewertung und somit den Vergleich von Waren und Dienstleistungen.

 

One thought on “Die Geschichte des Geldes”

Comments are closed.